Die Pflanze des Monats


Der Gemeine Efeu - Oktober 2024

Der (Gemeine oder Gewöhnliche) Efeu (Hedera helix) ist eine Pflanze aus der Familie der Araliengewächse.

 

Der gemeine Efeu ist eine ausdauernde, immergrüne Pflanze und ein Klettergehölz, das mit Hilfe seiner Haftwurzeln an Bäumen, Zäunen oder Mauern bis zu 30m hoch klettern kann. Die Pflanze ist der einzige, in Mitteleuropa heimische, Wurzelkletterer und kann ein Alter von bis zu 450 Jahren erreichen.

 

Bei den Jugendformen sind die Blattspreiten (B. sind der flächige Teil des Blattes, der oberhalb vom Stiel sitzt) gelappt mit drei bis fünf dreieckigen, ganzrandigen Blattlappen. Bei den Altersformen, die nach etwa 20 Jahren gebildet werden, sind die Blattspreiten eiförmig bis rhombisch und nicht gelappt, erst in diesem Stadium kann der Efeu blühen.

 

Die Blütezeit beginnt erst im September / Oktober, daher ist die Efeupflanze eine wichtige Nahrungsquelle in der Zeit, in der viele andere Pflanzen schon verblüht sind. Bienen, Wespen und Schwebfliegen und der Admiral besuchen die Blüten. Die Efeu-Seidenbiene hat sich sogar ausschließlich auf Efeu-Pollen für die Aufzucht ihrer Brut spezialisiert. Die Früchte (blauschwarze, runde Beeren mit ein bis fünf Steinkernen) reifen erst im Januar bis April

 

Der Gemeine Efeu ist in West-, Mittel- und Südeuropa von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen heimisch, im Norden reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Südschweden, im Osten bis zur Türkei. In Nordamerika, Australien und Neuseeland wird er als Neophyt und invasive Art bekämpft.

 

Sämtliche Pflanzenteile des Efeus sind giftig, schon zwei bis drei Beeren können zu Vergiftungssymptomen führen. Trotzdem werden die Beeren z.B. vom Gartenrotschwanz, der Mönchsgrasmücke, dem Star, der Amsel und dem Rotkehlchen gefressen, die auf diese Weise die Samen ausbreiten. In der Pflanzenheilkunde werden Efeu-Extrakte wegen ihrer husten- und krampflösenden Wirkung verwendet.

 

Weitverbreitet ist die Meinung, dass der Bewuchs mit Efeu die Trägerbäume schädigt. Dies muss man heute differenzierter sehen: Mehrheitlich wird die Auffassung vertreten, dass der Efeu für große Baumarten unschädlich ist, aber kleinere Bäume wie z.B. Apfelbäume oder Großsträucher wie z.B. Weißdorn durch Überwachsen zum Absterben bringen kann.

 

Text & Bild: Susanne Euler-Bertram

 

 


Grüne Minze - September 2024

 

Die Grüne Minze (Mentha spicata), auch Ährige Minze, Krause Minze oder Speer-Minze (englisch spearmint), ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).

 

Sie wächst als ausdauernde, krautige und winterharte Pflanze mit einer Wuchshöhe von 30 – 130cm. Die Minze bildet unterirdische Ausläufer und verbreitet sich rasch, sie blüht von Juli bis September mit blassvioletten, rosa oder weißen Blüten, die endständige, ährenförmige Blütenstände bilden. Die Pflanze hat schmale, kräftig grüne Blätter mit einem unregelmäßig gesägten Rand. Sie duften sehr aromatisch.

 

Mentha spicata ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien, der Kaukasusregion, im zentralasiatischen Turkmenistan, in Pakistan, Nepal und China weit verbreitet. In Nordamerika gilt die Pflanze als Neophyt, ist aber inzwischen global verbreitet und wird auch kultiviert. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und humosen, nährstoffreichen, sandigen, kalkhaltigen Boden.

 

Die Blüten werden von 29 Wildbienenarten (davon zwei auf Minze spezialisierte) zum Pollen und/oder Nektarsammeln angeflogen. Außerdem dient sie als Nahrungsquelle für fünf Schmetterlings- und sechs Raupenarten.

 

Die Grüne Minze wird in der traditionellen Küche häufig zur Zubereitung von Tees, zum Würzen von Saucen, sowie als Garnierung gebraucht. Insbesondere in Nordafrika und Vorderasien, wo es zahlreiche Varianten der Grünen Minze gibt, hat sie für die Zubereitung von Speisen eine wichtige Bedeutung (z.B.: für Taboulé, Joghurtdipp, Lamm).

 

In der Medizin werden Tees aus den Blättern der Pflanze und das äthereische Öl der Minze angewendet. Es lindert Schmerzen, Krämpfe, Kopfschmerzen und erweitert die Atemwege, kann aber auch bei Gelenkschmerzen und Muskelverspannungen helfen.

 

 Text & Bild: Susanne Euler-Bertram


Die Schwarze Königskerze - August 2024

Die Schwarze Königskerze (Verbascum Niger, aus der Familie der Braunwurzgewächse), ist eine einheimische, zwei- oder mehrjährige gelbe Staude, die sehr aufrecht wächst und 60 bis 150 cm hoch und 80 bis 100 cm breit werden kann. Die Stabilisierung der großen Pflanze erfolgt durch Ausbildung einer langen Pfahlwurzel. Die Blätter sind an der Unterseite graufilzig, auf der Oberseite dagegen kaum behaart und grün. Die gelben Blütenstände, die von Juni bis Oktober blühen, zeigen im Inneren der Einzelblüten purpurrote, wollig behaarte Staubfäden. Diese dunkle Mitte hat der Pflanze ihren Namen gegeben.

 

 

Die Schwarze Königskerze findet sich in weiten Teilen Europas mit Ausnahme von Portugal, Irland und Südosteuropa. Darüber hinaus wächst sie auch in Sibirien. Die anspruchslose, robuste und winterharte Pflanze wächst an Straßen- und Wegrändern, auf Schuttplätzen, Böschungen, Trockenwiesen und in lichten Wäldern

 

 

Sie liebt sonnige bis halbschattige Standorte und durchlässige bis lehmige Böden und blüht dort von Mai/Juni bis Oktober. Die Vermehrung erfolgt durch Selbstaussaat (Kälte – und Lichtkeimer).

 

 

Die Schwarze Königskerze dient neun Wildbienenarten und vierzehn Raupenarten als Nahrungsquelle. Spezialisiert auf diese Pflanze sind dabei die Raupen  zweier Nachtfalter, des Königskerzen-Mönchs (Shargacucullia verbasci) und der Rauteneule  (Xestia rhomboides). Wildbienen, interessieren sich eher für die übriggebliebenen Triebe alter Pflanzen, die daher im Herbst nicht abgeschnitten werden sollten. Einige Arten knabbern ihre Bruthöhlen in die markhaltigen Stängel

 

 

Die essbaren, Blüten können in der Küche zur Dekoration von Speisen verwendet werden.

 

 

In der Naturheilkunde kann die Schwarze Königskerze als Heilpflanze für Erkrankungen der Luftwege genutzt werden. Der Absud (durch Kochen gewonnener wässriger Extrakt) der Blüten kommt vor allem bei Husten, Bronchitis und Asthma zum Einsatz. Er wirkt schleimlösend und bakterizid, hat aber dank seiner Saponine und Flavonoide auch eine harntreibende Wirkung. Wesentlich häufiger als Verbascum Niger verwendet man die nahe verwandte Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum).

 

Text und Bild: Susanne Euler-Bertram

 


Acker-Glockenblume - Juli 2024

Die Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides) gehört zur Familie der Glockenblumengewächse und ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit bis zu 70 cm hohen Blütenständen. Die blauvioletten, glockenförmigen Blüten (Blütezeit Juni bis September) sind nur zur Hälfte geschlitzt und einseitswendig, d.h. sie stehen alle auf einer Seite des Stiels. Die Blütenstände tragen schmale, nach oben hin immer weniger gestielte Blätter. In Bodennähe finden sich tiefgrüne, länglich herzförmige Blätter, die eine Rosette bilden. Die Acker-Glockenblume bildet häufig rübenartig verdickte Wurzeln, sie vermehrt sich durch Ausläufer dieser Wurzeln, aber auch durch Samen.

 

Das Verbreitungsgebiet der Acker-Glockenblume ist Europa und West-Sibirien. Sie wächst am Saum sonniger Büsche, in lichten Laub- und Kiefernwäldern, an Wald- und Wegrändern und Äckern, bevorzugt in halbschattigen, trockenen bis frischen Standorten. In Mitteleuropa ist sie ein Apophyt, d.h. die ursprünglich im Wald heimische Art wechselte auf anthropogene („menschengemachte“) Standorte, als vor etwa 7000 Jahren die Wälder gerodet wurden, um Platz für Äcker zu schaffen.

 

Pollen und Nektar der Acker-Glockenblume sind eine wichtige Nahrungs-quelle für Wildbienen (33 Arten, davon 12 spezialisiert), Schmetterlingsraupen (14 Arten, eine spezialisiert), Schwebfliegen und den Hügel-Glockenblumenrüssler.

 

Die rübenartigen Wurzeln der Pflanze können von Herbst bis Frühjahr geerntet werden. Man kann sie roh oder gekocht als leckere, süßlich schmeckende Beigabe zum Salat verwenden. Auch das Laub dieser Glockenblume ist essbar und schmeckt gut (ähnlich Feldsalat), die blauen Blüten ergeben eine farbenfrohe Dekoration für Sommersalate und können, nach Entfernen der grünen Anteile, Staubgefäße und Griffel, ebenfalls verzehrt werden.

 

Text und Bild: Susanne Euler-Bertram

 


Der Wiesen-Pippau - Mai 2024

Der Wiesen-Pippau (Crepis biennis), auch Zweijähriger Pippau gehört zur Familie der Korbblütengewächse und ist eine frischgrüne, krautige, zweijährige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 120 cm erreicht. Sie ist in Europa weit verbreitet, in Mitteleuropa gilt sie als Archäophyt (das sind Pflanzenarten, die in einem bestimmten Gebiet nicht alteinheimisch (oder mit dem Fachbegriff: indigen) sind, sondern die dorthin vor langer Zeit vom Menschen eingeschleppt wurden. Als Schlüsseldatum zur Definition der Archäophyten wird die Zeit um 1500, verwendet).

 

Die Blütezeit des Wiesen-Pippau reicht je nach Standort von Mai bis August/September. Er blüht löwenzahngelb mit Blütenkörbchen von 25 bis 35 mm Durchmesser. Der Stängel ist steif aufrecht und nur im oberen Bereich verzweigt.
Die Pflanze wird vom
Vieh auf der Weide und im Grünfutter gern gefressen, ist aber nicht trittfest, erträgt daher keine Beweidung und verschwindet, sobald Mähwiesen
in Weiden umgewandelt werden.
Sie gedeiht am besten auf sandig-lehmigen, sandig-tonigen oder kiesig-lehmigen Böden in der Sonne.

 

Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Bienen, es ist aber auch Selbstbestäubung möglich. Die Vermehrung erfolgt allerdings weitgehend aus Früchten, die sich ohne Befruchtung entwickeln (Apomixis). Die Ausbreitung erfolgt durch wiederum dem Löwenzahn ähnliche (Pusteblume) Samen, die fast ausschließlich durch den Wind fortgetragen werden.

 

Über die Heilwirkung der Pflanze ist heute kaum noch etwas bekannt, aber in den Aufzeichnungen eines berühmten griechischen Militärarztes (Dioskurides, 1.Jh. n.Chr., gilt als berühmtester Mediziner des Altertums) finden sich Angaben über ihre Wirkung bei Verdauungsproblemen wie Durchfall. Insgesamt setzt er den Heilungseffekt von Pippau mit denen der artverwandten Wegwarte gleich, die neben Verdauungsbeschwerden auch gegen Milz-, Leber- und Gallenleiden hilft.

 

Text und Bild: Susanne Euler-Bertram

 


Das Gefleckte oder Echte Lungenkraut - März 2024

28.03.2024

 

Das Gefleckte oder Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) gehört wie Borretsch und Beinwell zur Familie der  Raublattgewächse. Es blüht in unseren Breiten oft schon ab Anfang März mit kleinen rotvioletten, trichterförmigen Blüten, die sich nach einigen Tagen blau verfärben. Die Blätter sind dunkelgrün und weisen rundliche, oft scharf begrenzte, weiße Flecken auf.

 

Das Lungenkraut ist eine, ausdauernde, krautige Pflanze, die nur 20 bis 40cm groß wird, sie ist winterhart, wintergrün und anspruchslos und vermehrt sich durch Selbstaussaat und über ihre Rhizome (Wurzelstöcke). Sie wächst am besten auf frischen, nährstoff- und basenreichen, meist kalkhaltigen, steinigen oder reinen Ton- und Lehmböden (wie hier im Gartenlabor).

 

Da die Blüten eine etwa einen Zentimeter lange Kronröhre besitzen, ist der Nektar nur langrüsseligen Bienenverwandten und Schmetterlingen zugänglich. Diese fliegen bevorzugt die jungen, rötlichen Blüten an, da diese mehr Nektar enthalten. Schwebfliegen fressen den Pollen.

 

Pulmonaria officinalis ist in weiten Teilen Europas verbreitet: von den Ardennen bis Mittelrussland und den Kaukasus und von Mittelschweden bis zum nördlichen Balkan und Mittelitalien.

 

Der Beiname „officinalis“ weist darauf hin, dass es sich um eine Heilpflanze handelt. Schon im Mittelalter wurde das Lungenkraut bei Lungenleiden (pulmo: lat. Lunge) eingesetzt, es wirkt hustenreiz- und entzündungshemmend.

 

Im Deutschen wird die Pflanze wegen der unterschiedlichen Blütenfarben auch als „Hänsel und Gretel“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“ bezeichnet. Weitere Namen sind Fleckenkraut, Hirschkohl, Bachkraut oder Blaue Schlüsselblume.

 

Text & Foto: Susanne Euler-Bertram

 

 


Der Breitblättrige Rohrkolben - Oktober 2023

Foto: Susanne Euler-Bertram
Foto: Susanne Euler-Bertram

8.10.2023

Der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rohrkolbengewächse (Typhaceae) und der Ordnung der Süßgrasartigen (Poales).

 

Rohrkolben wachsen als sommergrüne, ausdauernde krautige Wasser- und Sumpfpflanzen. Sie bevorzugen sonnige Standorte und bilden kräftige unterirdisch kriechende Rhizome und sind daher in der Lage, dichte Bestände mit bis zu 2,5m Wuchshöhe zu entwickeln.

 

Typha-Arten sind kosmopolitisch, d.h.weltweit von den gemäßigten Zonen bis in die Tropen verbreitet und häufig. Der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) z.B. kommt in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel bis nach Südamerika sowie in Teilen Afrikas vor.
Am Niederrhein sind Rohrkolbenbestände heute durch Fraßschäden von Nutrias bedroht.

 

In unseren Breiten blüht die Pflanze zwischen Juli und August. Dann erscheinen an den Enden spezieller Triebe die typischen kolbenförmigen Blütenstände. Der Breitblättrige Rohrkolben ist einhäusig getrennt-geschlechtlich und bildet einen dicken weiblichen und darüber einen wesentlich dünneren männlichen Teilblütenstand. Die Form der Blüten hat zu vielen Trivialnamen geführt, wie Kanonenputzer, Lampenputzer oder Schlotfeger. Im Herbst „löst sich der Kolben in tausende von Samen auf“, die durch Luft oder Wasser verbreitet werden.

 

Die Rohrkolben sind eine alte Kultur- und Nutzpflanze. U.a. kann man Mehl und Stärke aus den Rhizomen gewinnen, die auch wie Kartoffeln gekocht werden können. Auch die Triebe, Blätter und jungen Blütenstände sind essbar.
Die faserreichen Stängel und Blätter dienen als Grundstoff für grobe Garne, Cellulose,
Faserplatten als Dämmmaterial am Bau, als Streu oder zur Vergärung. Früher wurde die Samenwolle für Kissen, Matratzen und Polster verwendet.
Auch in der Naturheilkunde können Rohrkolben eingesetzt werden. Wenn am unteren Ende eines jungen Rohrkolbens die Blätter entfernt werden, findet sich dort ein
schleimiges Gel. Dieser Schleim kann zur Beschleunigung der Heilung auf kleine Schnittwunden oder Verbrennungen gegeben werden.

 


Der (Gewöhnliche) Teufelsabbiss - September 2023

Der (Gewöhnliche)Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Kardengewächse innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).

 

Der Teufelsabbiss wächst als ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 50, selten bis zu 80 Zentimetern. Er besitzt ein senkrechtes Rhizom (Wurzelstock), das bis zu 50cm in die Tiefe reicht und als Speicher- und Überdauerungsorgan dient. Ausläufer werden nicht gebildet.


Ihren Trivialnamen erhielt die Pflanze, weil das untere Ende des Rhizoms meist abgefault ist und daher wie abgebissen wirkt.

 

In unseren Breiten blüht der Teufelsabbiss im August/September, die Blütenfarbe ist violett/blau. 50 bis 80 Blüten stehen in einem halbkugeligen köpfchenförmigen Blütenstand und blühen ungewöhnlicherweise nicht von unten nach oben sondern von verschiedenen Zonen aus auf. Die länglichen, ganzrandigen Laubblätter sind als Rosette angeordnet. Es gibt Pflanzen mit rein weiblichen und solche mit zwittrigen Blüten.

 

Der Teufelsabbiss kommt im gesamten europäischen Raum und in Nordafrika, in Vorderasien, im Kaukasusraum und in Sibirien vor. In Nordamerika und Kanada ist die Pflanze ein Neophyt.
Er wächst auf feuchten
Mager- und Bergwiesen und bevorzugt wechselfeuchte, humose Böden. Da diese Lebensräume immer seltener werden, wird die Art in der bundesweiten Roten Liste in der Kategorie „Vorwarnliste“ geführt; in einigen Bundesländern ist sie sogar „Gefährdet“.

 

Als Nahrungsquelle dienen die Blüten des Teufelsabbiss wegen ihres großen Nektarangebots vor allem Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Schwebfliegen. Manche Falterarten wie der Abbiss-Scheckenfalter (Euphydyras aurinia), legen sogar ihre Eier am Teufelsabbiss ab, die Raupen dieses Schmetterlings ernähren sich von den Blättern der Pflanze.

 

In der Naturheilkunde benutzt man vom Teufelsabbiss den getrockneten Wurzelstock, die Blätter, die Blütenköpfe und den frischen Saft. Die Pflanze wurde als Heilmittel bei Ekzemen, Geschwüren, Entzündungen der Schleimhäute und Wurmbefall eingesetzt. Die auswurffördernden Eigenschaften des Teufelsabbiss helfen bei Erkrankungen der Atemwege, auch wirkt er blutreinigend und harntreibend.

 

Foto und Bericht: Susanne Euler-Bertram


Der Rainfarn - August 2023

 

Der Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Wucherblumen (Tanacetum) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).


Rainfarn blüht in unseren Breiten von Ende Juni bis September mit strahlend gelben „Knöpfchenblüten“, die dichte Dolden bilden. Als stark wuchernde,
krautige Pflanze erreicht er Wuchshöhen von 30 bis 160 Zentimetern. Unterirdisch bildet der Rainfarn ein Rhizom (Wurzelstock), das bis zu 90cm tief in den Boden reichen kann und zu einer intensiven Vermehrung durch unterirdische Ausläufer führt.


Am Stängel befinden sich bis unter den Blütenstand dunkelgrüne, gefiederte Blätter von bis zu 25cm Länge, die sich im vollen Sonnenlicht mehr oder weniger senkrecht nach Süden ausrichten. Damit gehört der Rainfarn zu den Kompasspflanzen.

 

Rainfarn kommt überall in den gemäßigten Zonen Eurasiens vor und wurde in den Alpen bis in Höhen von 2000m gefunden. In den gemäßigten Gebieten Nordamerikas, Südamerikas und Australiens ist er ein Neophyt. Er wächst  auf staudenreichen Brachen, an Wegen und Dämmen, auch an Ufern und braucht sommerwarme, nicht zu trockene, nährstoffreiche, humose Böden.

 

Der Nektar und Pollen des Rainfarns ist auf Grund der kurzen Kronröhren  der Röhrenblüten (etwa 100 pro Knöpfchen) allen Insekten leicht zugänglich. Außerdem gibt es eine Reihe von Raupen wie z.B. die des Rainfarn-Mönchs (Eulenfalter) und des Smaragdspanners, die den Rainfarn gern als Futterpflanze nutzen, die Raupen der Sackträgermotte ernähren sich sogar ausschließlich von Rainfarnpflanzen. Außerdem leben einige Käferarten am und vom Rainfarn.

 

Charakteristisch für Rainfarn ist sein ausgeprägter Geruch. Alle Pflanzenteile enthalten ätherische Öle (Campher, Borneol, Thujon) und Bitterstoffe, daher wurden Blätter und Blüten früher ausgestreut, um Ungeziefer fernzuhalten. Auch sollen Anpflanzungen des Rainfarns den Kartoffelkäferbefall stark verringert haben.
In der Naturheilkunde wurde die Pflanze gegen Wurmbefall und Durchfallerkrankungen eingesetzt („Wurmkraut“). Da Mengen von mehr als 1-3 Gramm Rainfarn Vergiftungserscheinungen hervorrufen, wird Rainfarn heute nicht mehr medizinisch verwendet.

 

Foto und Bericht:Susanne Euler-Bertram


Der Gewöhnliche Blutweiderich - Juli 2023

Der Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicaria) gehört zur Familie der Weiderichgewächse und ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 2 Metern und eine Breite von 1,5 Metern erreichen kann. Aus einem Rhizom (Wurzelstock) dieser Größe können bis zu 50 Blütenstängel mit ähren- oder traubenförmigen rötlichen, rosa oder violetten, manchmal auch weißen, Blütenständen wachsen. Der Wurzelstock kann sich unter Wasser befinden, Blätter und Blüten sind dagegen fast immer im Luftraum.

 

Das Verbreitungsgebiet ist Eurasien und Australien. In Nordamerika wird der Blutweiderich als Neophyt durch das Aussetzen von Schadinsekten bekämpft.

 

Der Blutweiderich blüht von Juni bis September und dient vor allem Schwebfliegen, aber auch Bienen und Schmetterlingen als Nektarspender. Außerdem ist er eine wichtige Futterpflanze für Raupen aus der Gattung der Nachtpfauenaugen (Saturnia).

 

Die Pflanze wächst an feuchten Standorten z.B. in Röhrichten und Sümpfen, an Ufern von Seen und Weihern, Flüssen, Bächen und Kanälen sowie in Gräben bis in mittlere Gebirgslagen. Ein einzelnes Pflanzenexemplar kann bis zu drei Millionen Samen produzieren, die durch Wind und Wasser ausgebreitet werden. Die Samen sind mit „Schleimhaaren“ ausgestattet und haften leicht an Wasservögeln, die sie auf diese Weise ausbreiten. Sie keimen in nahezu allen ausreichend feuchten Böden im nächsten Frühjahr.

 

Aufgrund seines hohen Gerbstoffgehalts zwischen 9 % (Wurzel) und 14 % (Blüten) gerbte man schon im 16. Jahrhundert Leder mit Blutweiderichsaft. Außerdem wurden damit Holz und Seile imprägniert, um schnelle Fäulnis im Wasser zu verhindern.

 

Auch als Heilpflanze diente der Blutweiderich schon seit dem Altertum, weil die enthaltenen Gerbstoffe stark adstringierende (zusammenziehende), bakterizide, blutstillende (daher der Name?) und harntreibende Eigenschaften haben.


Die Volksmedizin setzt die Pflanze bei Durchfällen, Blutfluss und Ruhr ein. Dazu werden 1 bis 3 Gramm Wurzel mit zwei Litern Wasser abgekocht.

 

Foto und Bericht: Susanne Euler-Bertram